Lerntherapeut-Lerntherapie

Elternarbeit in der Lerntherapie – warum es ohne manchmal besser ist

Lesen Sie in diesem Blog-Beitrag, warum eine Mitarbeit der Eltern in der Lerntherapie nicht immer sinnvoll ist.

Ohne Frage kann die Elternarbeit in der Förderung von Kindern eine zentrale Rolle spielen, denn fast immer sind Mama und Papa die wichtigsten Bezugspersonen eines Kindes. Im Vergleich zu Lehrern, Therapeuten, Erziehern und anderen ausgebildeten Pädagogen verbringen die Eltern am meisten Zeit mit ihrem Kind. Laut einer Studie der OECD* beschäftigen sich berufstätige Väter in Deutschland pro Tag durchschnittlich 37 Minuten mit dem Nachwuchs, nicht berufstätige immerhin 48 Minuten. Bei den Müttern sieht es anders aus: Da nehmen sich die berufstätigen täglich 66 Minuten Zeit für ihre Kinder und die nicht berufstätigen 182 Minuten. Aus Sicht vieler Lerntherapeuten sollten Eltern einen Teil dieser Zeit für die Begleitung therapeutischer Hausaufgaben und die eigene Förderung des Kindes nutzen. Eltern als Co-Therapeuten könnten entscheidend zum Erfolg einer Lerntherapie beitragen, denn eine oder zwei Lerntherapiestunden pro Woche sind für einen schnellen Therapieerfolg nicht immer ausreichend. Aber ist eine aktive Mitarbeit der Eltern in jedem Fall möglich und sinnvoll? 

Fachliche Kompetenz ist ein Muss

Eltern von Kindern mit Lese- Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche oder anderem Lerntherapiebedarf haben nicht selten ganz ähnliche Schwierigkeiten. Wer aber im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen unsicher ist, sollte sich nicht an der Förderung eines Kindes mit den gleichen Unsicherheiten versuchen. Eine eigene Lernschwäche kann das Einfühlungsvermögen verbessern, ist in der lerntherapeutischen Förderung eines Kindes jedoch hinderlich. Wer ein Kind im Bereich seiner Teilleistungsschwäche fördern will oder auch nur seine Hausaufgaben betreut, muss im jeweiligen Lernbereich sicher sein und auch über die erforderlichen didaktischen Kompetenzen verfügen. Selbst das Anleiten oder Beaufsichtigen vermeintlich einfacher Lese- und Rechtschreibaufgaben und auch lerntherapeutische Spiele erfordern einen Erwachsenen, der die therapeutischen Ziele dieser Übungen erfasst und in ein Gesamtkonzept einbetten kann. So lässt sich zum Beispiel nicht allen Eltern vermitteln, warum ihr Kind kurze und lange Vokale unterscheiden lernen sollte oder welchen Sinn das Erlernen der Passerzahlen hat. Hier eine häusliche Förderung zu erwarten, die die Lerntherapie sinnvoll ergänzen könnte, wäre wenig realistisch.

Emotionale Distanz hilft

Eltern sind nicht immer die besten Lernbegleiter, weil die emotionale Verbindung zum Kind ein geduldiges gemeinsames Lernen erschweren kann. Wer sich um die schulische Entwicklung und damit auch um die berufliche Zukunft seines Kindes Sorgen macht, kann angesichts hartnäckiger Lernschwierigkeiten nicht durchgehend gelassen und zuversichtlich sein. Wenn dann einer Mutter oder einem Vater ein verzweifeltes „Was soll nur aus dir werden?“ entfährt, dann ist das unpädagogisch, aber menschlich nachvollziehbar. Langsam lernende Kinder benötigen erwachsene Lernbegleiter, die mit Freude und Optimismus bei der Sache sind, die auch die kleinen Fortschritte sehen und würdigen und dem Kind die Gewissheit geben, dass es auf einem guten Weg ist. Hier sind Lerntherapeuten, Lehrer und andere ausgebildete Pädagogen im Vorteil, denn sie lassen sich von sachbezogener Professionalität und weniger von ihren Gefühlen leiten.

Warum wir Eltern nicht ins Gewissen reden sollten

Manche Lerntherapeuten glauben, dass man Eltern die Wichtigkeit therapeutischer Hausaufgaben nur oft genug vor Augen halten muss, um sie zur Mitarbeit zu bewegen. Andere Therapeuten machen gar die Vergabe eines Therapieplatzes abhängig vom elterlichen Engagement oder drohen mit Therapieabbruch, wenn die Eltern nicht zur Mitarbeit in Form häuslicher Förderung bereit oder in der Lage sind. All dies ist nicht im Sinne der Kinder, denn selbstverständlich kann eine Lerntherapie auch ohne co-therapeutisches Mitwirken der Eltern erfolgreich sein. Appelle an die Eltern können sogar Schaden anrichten, weil manche Eltern sehr gern würden, wenn sie nur könnten und vielleicht gerade aus diesem Grund eine Lerntherapeutin beauftragt haben.

Was also tun?

Stärken wir stattdessen das elterliche Selbstwertgefühl, indem wir Anerkennung dafür aussprechen, dass das Kind zur Lerntherapie angemeldet wurde, dass es regelmäßig erscheint und dass es Fortschritte macht. Lerntherapeuten, für die Hausaufgaben ein fester Bestandteil der Therapie sind, sollten die Betreuung dieser Hausaufgaben nicht den Eltern übertragen, wenn diese dafür nicht empfänglich sind. Als Alternative bietet sich ein zwischen der Lerntherapeutin und dem Kind zu führender Punkteplan an. Dabei erhält das Kind für jede erledigte Hausaufgabe einen Punkt. Ab einer vorher festgelegten Zahl von Punkten ist ein Eintausch der Punkte in eine Belohnung möglich. Das kann beispielsweise ein gemeinsames Spiel, ein Eis oder ein Griff in eine mit kleinem Spielzeug gefüllte Schatzkiste sein.

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* Miranda, V. (2011), “Cooking, Caring and Volunteering: Unpaid Work Around the World”, OECD Social, Employment and Migration Working Papers, No. 116, OECD Publishing.

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