6 Grundsätze: Wie Eltern bei Legasthenie und Dyskalkulie helfen können

Hat ein Kind eine Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) oder Rechenstörung (Dyskalkulie), so ist dies auch für die Eltern eine außerordentlich belastende Situation: Sie erleben, dass ihr Kind im Vergleich zu Freunden und Klassenkameraden zurückliegt. Sie sehen, dass es unter dieser Situation leidet. Sie würden ihr Kind gern unterstützen, wissen oft aber nicht, wie sinnvolle Hilfe bei Lernstörungen aussieht. Hinzu kommt, dass zu diesem Thema jeder eine andere Meinung zu haben scheint: „Keine Bange! Das wächst sich aus!“ und „Ihr müsst mehr üben!“ mögen gut gemeinte Ratschläge sein, doch nutzen tun sie nicht. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, wie Eltern helfen können, wenn das Kind besondere Schwierigkeiten im Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen hat.

Lernstörungen beanspruchen die Eltern-Kind-Beziehung

Eine Lernstörung belastet die ganze Familie. Meist ist es jedoch die Mutter, die viel Zeit und Mühe aufwendet, um dem Kind beim Lernen und bei den Hausaufgaben zur Seite zu stehen. Diese Zeit fehlt ihr dann an anderer Stelle. Das kann ungeduldig machen, insbesondere wenn Erfolge ausbleiben und die Noten nicht besser werden. Und wie sieht es auf der Seite des Kindes aus? Anfangs freut es sich vielleicht über die intensive Aufmerksamkeit der Mutter. Im weiteren Verlauf empfinden viele Kinder die täglichen Übungen aber als Strafe. Wer in der Schule nicht vorankommt, der muss Freizeit opfern, während andere Kinder spielen dürfen. Kein Wunder, dass irgendwann die Beziehung zum Kind leidet.

Üben kann sinnvoll sein

Bei Leseschwäche, Rechtschreibproblemen und Rechenunsicherheiten fordern viele Lehrer zum verstärkten Üben mit dem Kind auf. Die meisten Eltern folgen dieser Empfehlung: Sie diktieren Lernwörter, halten das Kind zum Lesen an und üben mathematische Grundlagen wie den Zehnerübergang, das Verdoppeln und Halbieren und das Einmaleins. Das ist zunächst auch richtig, denn manche Schwierigkeiten in den Fächern Deutsch und Mathematik stehen tatsächlich mit mangelnden Automatisierungen in Verbindung. Üben und damit eine Wiederholung und Festigung von grundlegenden Unterrichtsinhalten kann dann eine echte Hilfe sein. Manchen Eltern fehlt jedoch die Zeit zum regelmäßigen Üben mit ihrem Kind oder sie sind aus anderen Gründen nicht dazu in der Lage. Dann ist es gut zu wissen, dass ein verstärktes Üben nicht immer der richtige Weg ist.

Wenn Üben nicht reicht

Ein bloßes Wiederholen von Unterrichtsinhalten ist bei Vorliegen einer Lernstörung nicht ausreichend und manchmal sogar kontraproduktiv, weil das Kind in dieser Zeit nicht die Hilfe erhält, die es eigentlich benötigt. Bis aber eine Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) bzw. eine Rechenstörung (Dyskalkulie) und der damit verbundene Therapiebedarf erkannt wird und die offizielle Diagnose steht, vergeht oft viel Zeit. Dann ist die Situation zu Hause oft schon derart angespannt, dass es für alle Beteiligten das Beste ist, wenn die Unterstützung des Kindes vollständig in professionelle Hände gegeben wird. Erste Ansprechpartner bei Verdacht auf Legasthenie oder Dyskalkulie sind die Lehrer. Reichen deren Möglichkeiten nicht aus, sollten die Eltern eine außerschulische Lerntherapie bei einer Lerntherapeutin oder einem Lerntherapeuten anstreben.

Wie können Eltern eine Lerntherapie sinnvoll begleiten?

Eltern helfen ihrem lernschwachen Kind am meisten dadurch, dass sie die Beziehung zu ihm verbessern, den Familienfrieden wiederherstellen und das Selbstvertrauen ihres Kindes stärken. Zu Hause brauchen Kinder und Jugendliche mit Legasthenie oder Dyskalkulie keine weiteren Lehrer in Form von Mama und Papa, sondern Eltern, die mit Gelassenheit, Verständnis und Zuversicht emotional unterstützen. Die meisten Lerntherapeutinnen und Lerntherapeuten raten vom Üben mit dem eigenen Kind ab. Mitunter empfehlen sie aber Spiele, die sich bei Schwierigkeiten im Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen bewährt haben. Das können z.B. Klassiker wie Buchstabensuppe, Halli Galli oder Rummikub sein. Wichtig ist, dass dabei nicht der Fördergedanke, sondern die Freude am gemeinsamen Spiel im Vordergrund steht.

6 Grundsätze für Eltern, deren Kinder eine Legasthenie oder Dyskalkulie haben

Lernstörungen wie die Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) oder die Rechenstörung (Dyskalkulie) haben stets individuelle Ursachen und Bedingungen. Daher muss auch die Förderung bzw. Lerntherapie dem jeweiligen Kind angepasst werden. Stets gelten jedoch diese Grundsätze:

  1. Eltern sollten daran glauben, dass ihr Kind lesen, schreiben und rechnen lernen kann und dem Kind dieses Zutrauen zeigen.
  2. Eltern können für positive Lernerlebnisse sorgen, indem sie mit ihrem Kind spielen, seine Neugier wecken und Interesse an schulischen Inhalten vorleben.
  3. Jedes Kind hat Stärken. Eltern helfen ihrem lernschwachen Kind, wenn sie seine Talente unterstützen und fördern.
  4. Eltern sollten ihr Kind immer nur mit sich selbst vergleichen, nie mit anderen Kindern: Wie hat es vor einem halben Jahr gelesen, wie liest es jetzt? Wie schwer fielen ihm Aufgaben mit Zehnerübergang, wie leicht jetzt? Es fördert die Lernmotivation, wenn die Leistung eines Kindes an seinem persönlichen Lernfortschritt gemessen wird und nicht an dem der Klassenkameraden oder Geschwister.
  5. Es ist gut, wenn Eltern die Leistungen des Kindes in den Fokus nehmen, nicht seine Fehler. Richtig Geschriebenes oder Gerechnetes kann mit einem Textmarker hervorgehoben werden. Das fördert das Kompetenzerleben. Auch prägen sich die Schreibweise und der korrekte Rechenweg so viel besser ein.
  6. Eltern sollten in Kontakt mit der Schule bleiben, den Austausch auf Augenhöhe suchen und sich um eine Lerntherapie sowie um Nachteilsausgleich und Notenschutz für ihr Kind bemühen. So erfährt das Kind, dass seine Eltern hinter ihm stehen und dass es mit seinen Schwierigkeiten nicht allein gelassen wird. Bei Legasthenie und Dyskalkulie ist das oft die beste Hilfe.

Wie können Eltern einen qualifizierten Lerntherapeuten finden?

Integrative Lerntherapeuten (IFLW) haben die Fachkundeprüfung erfolgreich abgelegt und fundierte lerntherapeutische Kenntnisse sowie einen einwandfreien Leumund nachgewiesen. Absolventen führen auf ihrer Internetseite dieses personalisierte Prüfsiegel:

IFLW-Prüfsiegel

Integrative/r Lerntherapeut/in (IFLW)
www.iflw.de – Prüfnummer LT-345-PR-999999

Nach dem Anklicken des Prüfsiegels oder der Prüfnummer werden der Name, die Anschrift und die Kontaktdaten der Lerntherapeutin angezeigt.