{"id":3451,"date":"2019-12-02T09:56:50","date_gmt":"2019-12-02T08:56:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iflw.de\/blog\/?p=3451"},"modified":"2019-12-02T10:13:54","modified_gmt":"2019-12-02T09:13:54","slug":"mutter-als-problemloeser-rasenmaeher-abitur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iflw.de\/blog\/erziehung\/mutter-als-problemloeser-rasenmaeher-abitur\/","title":{"rendered":"M\u00fctter als Probleml\u00f6ser: Per Rasenm\u00e4her zum Abitur"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt einen neuen Erziehungsstil und der verhei\u00dft nichts Gutes. Das Schlimme daran: Er erfasst Eltern oft ganz unbemerkt. Auch ich war schon Rasenm\u00e4hermama. Was ist das, warum schadet die Methode unseren Kindern auf lange Sicht und welche Wege f\u00fchren aus der Erziehungsfalle?<\/p>\n<h2>Bedenkliche Steigerung:&nbsp;Helikoptern und Rasenm\u00e4hen<\/h2>\n<p>Eltern, die ihre Kinder am liebsten die gesamte Grundschulzeit \u00fcber bis in den Klassenraum begleiten w\u00fcrden und auch sonst wie ein Helikopter besorgt um ihren Nachwuchs kreisen, sind ein bekanntes Ph\u00e4nomen. An unserer Schule h\u00e4ngt ein Schild f\u00fcr die Unverbesserlichen: \u201eLiebe Eltern! Ab hier schaffen wir das alleine\u201c. Nun gibt es eine Steigerung dieser bedenklichen Erziehungsvariante. Doch bevor ich fortfahre und den Eindruck erwecke, mich \u00fcber andere M\u00fctter erheben zu wollen, m\u00f6chte ich gestehen. Auch ich habe es schon getan! Ich habe meiner Tochter eine H\u00fcrde aus dem Weg gem\u00e4ht. Sie hie\u00df Facharbeit und sollte in nicht unerheblicher Weise in die Abiturnote einflie\u00dfen. Als die Abgabefrist n\u00e4her r\u00fcckte, brachte ich mich in einer Form ein, die \u00fcber Korrekturlesen hinausging. Warum ich das getan habe? Weil ich es konnte und das Projekt zu einem guten Abschluss bringen wollte. Und gut ist mindestens die Note 2.<\/p>\n<h2>Rasenm\u00e4hen &#8211; eine Erziehungs\u00admethode der M\u00fctter<\/h2>\n<p>Eltern, die sich so oder \u00e4hnlich verhalten, werden in D\u00e4nemark Curling-Eltern genannt, weil sie ihren Kindern wie beim Eisstockschie\u00dfen die Hindernisse aus dem Weg r\u00e4umen. Das Ph\u00e4nomen ist weiblich, denn meist sind es die M\u00fctter, die ihre Kinder beim Lernen unterst\u00fctzen. Es sind gebildete Frauen mit Zeit, die zumindest phasenweise den Rasenm\u00e4her anlassen und ihren Kindern den steinigen Weg zum Ziel gl\u00e4tten. Das Kind soll ein Referat schreiben? Kein Problem: Mama sucht passende Quellen, strukturiert, schl\u00e4gt \u00dcberschriften vor und hilft beim Formulieren. Oft hat sie dabei ein schlechtes Gewissen und redet sich ein, das Kind k\u00f6nne dies unm\u00f6glich allein schaffen. Es erhalte zu wenig Anleitung von der Lehrerin und dieser Umstand d\u00fcrfe nicht zu einer schlechten Note f\u00fchren. Tats\u00e4chlich hat Mama die Eins im Blick und den schmalen Grat zwischen Anleitung und Abnehmen l\u00e4ngst \u00fcberschritten.<\/p>\n<h2>Raserm\u00e4herm\u00fctter treibt die Angst<\/h2>\n<p>Rasenm\u00e4herverhalten beschr\u00e4nkt sich nicht auf die Hausaufgaben, die Anfertigung von Referaten oder Facharbeiten. Es gibt tats\u00e4chlich Eltern, die mit dem Anwalt in der Schule erscheinen, weil sie mit einer Note unzufrieden sind oder das Kind keine Gymnasialempfehlung erhalten hat. Juristische Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Lehrern sind niemals gut, denn sie st\u00f6ren die Beziehung zwischen der Lehrerin und dem Kind. Doch genau diese Verbindung ist entscheidend daf\u00fcr, dass Lernen Spa\u00df macht und gelingt. Heutzutage haben Eltern viel gr\u00f6\u00dfere Angst als fr\u00fcher, dass ihr Kind ohne Abitur keine gute Zukunft hat. Dabei bietet zum Beispiel das Handwerk viele spannende Berufe, in denen auch wegen des zunehmenden Fachkr\u00e4ftemangels erstaunlich gut verdient werden kann. Gut zu wissen: Der Meisterbrief beinhaltet eine Hochschulzugangsberechtigung.<\/p>\n<p>Rasenm\u00e4hereltern haben die besten Absichten. Sie tun alles, um ihre Kinder vor Entt\u00e4uschungen und Misserfolg zu sch\u00fctzen. Auch in soziale Begegnungen und daraus resultierende Konflikte wird eingegriffen. Ein Nachbarskind war schon oft zum Spielen da, feiert bald Geburtstag, aber Tochter Clara ist nicht eingeladen? Sicher kl\u00e4rt sich das, wenn Claras Mama das M\u00e4dchen anspricht oder mal mit ihrer Mutter telefoniert. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wehren sich Kinder gegen derartige Aktionen. Es ist ihnen schlichtweg peinlich, wenn sich Mama in Freundschaften einmischt. Anders ist es jedoch im schulischen Bereich. Hier profitiert das Kind von der tatkr\u00e4ftigen Unterst\u00fctzung seiner Mutter und den damit verbundenen guten Noten. Warum sollte es sich da von Mama abgrenzen, ihr Einhalt gebieten und unter Beweis stellen, dass es schon gro\u00df ist und durchaus willens und in der Lage, seine schulischen Angelegenheiten selbst zu organisieren?<\/p>\n<h2>Folgen des neuen Erziehungsstils<\/h2>\n<p>Die entscheidende Frage ist: Was lernen Kinder von Rasenm\u00e4hereltern? Schlimmer: Was lernen sie nicht? Bei diesen Kindern l\u00e4sst sich eine zunehmende Unselbstst\u00e4ndigkeit beobachten, gest\u00fctzt von der Gewissheit, dass Mama alle Termine im Blick hat, Probleme l\u00f6st und im Idealfall proaktiv daf\u00fcr sorgt, dass diese gar nicht erst entstehen. Ihnen mangelt es an Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit, weil sie nicht lernen, Konflikte zu l\u00f6sen und Hindernisse zu \u00fcberwinden. Wer so erzogen wird, bleibt hilflos und wird es schwer haben, erwachsen zu werden und das eigene Leben zu meistern. Kann sich auch Ihr Kind darauf verlassen, dass Mama seine Schwierigkeiten niederm\u00e4ht? Ein Ja auf diese Antwort w\u00e4re kein Grund zur Freude, denn echte Erfolgserlebnisse sind wichtig f\u00fcr die Psyche. Aber sie erfordern eigene Anstrengungen und das damit verbundene Risiko des Scheiterns. Kinder m\u00fcssen die Erfahrung machen, dass sie an Herausforderungen wachsen. Wir m\u00fcssen erleben, dass uns R\u00fcckschl\u00e4ge stark machen. Mit Zuversicht, Kreativit\u00e4t und Beharrlichkeit l\u00e4sst sich jede Klippe umschiffen. Eltern k\u00f6nnen diese Schl\u00fcsselqualifikationen f\u00f6rdern, indem sie ihren Kindern Erfolg zutrauen und sich selbst zur\u00fccknehmen. Muten wir unseren Kindern auch mal eine schlechte Note zu, denn diese kann die Kraft eines Weckrufs haben: Nimm die Schule ernster! Entwickle mehr Flei\u00df! Gib dein Bestes! Wer zu wenig gibt, kann nicht die Eins erwarten. Diese logische Konsequenz d\u00fcrfen wir unseren Kindern nicht vorenthalten.<\/p>\n<h2>Gr\u00fcnde f\u00fcr Rasenm\u00e4herverhalten und L\u00f6sungen<\/h2>\n<p>Warum werden M\u00fctter zu Rasenm\u00e4hermamas? Seien wir ehrlich: weil sich in manchen Klassen fast alle M\u00fctter so verhalten, aber die wenigsten geben es zu. Dies erzeugt Druck auf die \u00fcbrigen Eltern. Tims Mama hilft beim Referat, Cecilias Mama bei der Facharbeit und Bens Mama hat eigens daf\u00fcr einen Nachhilfelehrer engagiert? Da ist das eigene Kind im Nachteil, wenn es eine eigene Leistung abliefert. Welche L\u00f6sungen gibt es? Ich empfehle Eltern mutig zu sein und das Problem offen anzusprechen, zum Beispiel beim Elternabend. Sie werden \u00fcberrascht sein, wie viele Eltern diesen Nebenjob gern los w\u00e4ren. Gleichzeitig sollten wir ein authentisches Vorbild sein und den Umgang mit schwierigen Emotionen und Situationen vorleben, damit das Kind am Modell lernen kann. Das erfordert auch Arbeit an uns selbst. Was bedeuten Misserfolge f\u00fcr uns? Gespr\u00e4che mit Freundinnen k\u00f6nnen helfen, das eigene Erziehungsverhalten in einem neuen Licht zu sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt einen neuen Erziehungsstil und der verhei\u00dft nichts Gutes. Das Schlimme daran: Er erfasst Eltern oft ganz unbemerkt. Auch ich war schon Rasenm\u00e4hermama. Was ist das, warum schadet die Methode unseren Kindern auf lange Sicht und welche Wege f\u00fchren aus der Erziehungsfalle? 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