{"id":2559,"date":"2017-09-14T12:33:50","date_gmt":"2017-09-14T10:33:50","guid":{"rendered":"http:\/\/iflw.de\/blog\/?p=2559"},"modified":"2019-03-21T12:33:43","modified_gmt":"2019-03-21T11:33:43","slug":"hochsensibilitaet-anderssein-bei-erwachsenen-akzeptierter-als-bei-kindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iflw.de\/blog\/erziehung\/hochsensibilitaet-anderssein-bei-erwachsenen-akzeptierter-als-bei-kindern\/","title":{"rendered":"Hochsensibilit\u00e4t: Anderssein bei Erwachsenen akzeptierter als bei Kindern"},"content":{"rendered":"<p class=\"normal\"><span lang=\"de\">Schwierig, weinerlich, nicht belastbar: Wer im Kindesalter mit seinem Verhalten aus der Reihe tanzt oder auf andere Weise nicht dem Durchschnitt entspricht, gilt schnell als Problemfall. Hochsensibilit\u00e4t kennt kein Alter, doch w\u00e4hrend das Ph\u00e4nomen bei Erwachsenen \u00fcberwiegend positiv gesehen wird, schauen wir bei Kindern oft nur auf die Schw\u00e4chen. Woran liegt das? Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, warum Hochsensibilit\u00e4t bei Kindern eher als Problem wahrgenommen wird als bei Erwachsenen und wie wir hochsensiblen Kindern zu mehr Selbstbewusstsein und Selbstakzeptanz verhelfen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<h2 class=\"normal\"><span lang=\"de\">Was ist Hochsensibilit\u00e4t?<\/span><\/h2>\n<p class=\"normal\"><span lang=\"de\">Der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hochsensibilit%C3%A4t\">Begriff Hochsensibilit\u00e4t<\/a> wurde von der Psychologin Dr. Elaine Aron in den 90er-Jahren erstmals beschrieben. Hochsensibilit\u00e4t (auch: Hypersensibilit\u00e4t, Hochsensitivit\u00e4t, \u00dcberempfindlichkeit) ist eine Disposition, \u00fcber die etwa 15 bis 20 Prozent aller Menschen verf\u00fcgen. Hochsensible nehmen mehr Sinneseindr\u00fccke wahr und m\u00fcssen daher mehr Informationen verarbeiten als Menschen mit weniger ansprechbaren Sinneskan\u00e4len. Man k\u00f6nnte meinen, dass es ein Vorteil ist, wenn einem nichts entgeht. Tats\u00e4chlich sind stets offene Rezeptoren eine Dauerbelastung, die krank machen kann. Es gibt aber auch Vorteile, die mit Hochsensibilit\u00e4t einhergehen, z.B. die ausgepr\u00e4gte Empathie und F\u00fcrsorglichkeit hochsensibler Menschen, die f\u00fcr soziale, therapeutische oder medizinische Berufe in besonderer Weise bef\u00e4higt.<\/span><\/p>\n<h2 class=\"normal\"><span lang=\"de\">Kinder sind st\u00e4rker fremdbestimmt<\/span><\/h2>\n<p class=\"normal\"><span lang=\"de\">Wer visuelle Eindr\u00fccke, Ger\u00e4usche, Ger\u00fcche oder taktile Reize ungefiltert aufnimmt, braucht ausreichend Zeit, um diese Informationen zu verarbeiten, zu ordnen und zu gewichten. Hochsensible Menschen sollten sich diese zus\u00e4tzliche Zeit nehmen und die meisten Erwachsenen k\u00f6nnen das auch. Kleine Pausen im Alltag und regelm\u00e4\u00dfige l\u00e4ngere Auszeiten sind gute Mittel gegen \u00dcberforderung, Reiz\u00fcberflutung und Ersch\u00f6pfung. Kinder hingegen sind viel st\u00e4rker fremdbestimmt. Fast den ganzen Tag \u00fcber werden sie von Erwachsenen beobachtet, beurteilt und gelenkt. Ein Schulkind kann nicht einfach den Unterricht verlassen oder die Klassenarbeit abbrechen, wenn die Sinneseindr\u00fccke \u00fcberhandnehmen. Die meisten Erwachsenen hingegen haben Einfluss auf ihr Arbeitsumfeld, z.B. indem sie einen Beruf w\u00e4hlen, der zu ihrer Veranlagung passt.<\/span><\/p>\n<h2 class=\"normal\"><span lang=\"de\">Kinder haben weniger Bedenkzeit<\/span><\/h2>\n<p class=\"normal\"><span lang=\"de\">Hochsensible Menschen haben Angewohnheiten, die bei Erwachsenen gesellschaftlich akzeptierter sind als bei Kindern. Eine dieser Eigenheiten ist das Bed\u00fcrfnis nach mehr Bedenkzeit. Wer mehr Informationen aufnimmt und gr\u00fcndlicher nachdenkt, ist langsamer und weniger spontan. Bed\u00e4chtigkeit gilt bei Erwachsenen als St\u00e4rke. L\u00e4sst sich hingegen ein Schulkind Zeit bei der Beantwortung einer Frage, so neigt das erwachsene Gegen\u00fcber zu Ungeduld und Fehleinsch\u00e4tzungen bez\u00fcglich des Lern- und Leistungsverm\u00f6gens des Kindes. Wirkt das Kind dar\u00fcber hinaus schnell ersch\u00f6pft und \u00fcberlastet, kann das Zweifel an dessen Begabung verst\u00e4rken. Dass es die vielen Sinneseindr\u00fccke sind, die das hochsensible Kind an den Rand seiner Aufnahme- und Belastungskapazit\u00e4t gebracht haben und kein generelles Unverm\u00f6gen, wissen viele Lehrer nicht.<\/span><\/p>\n<h2 class=\"normal\"><span lang=\"de\">Kinder haben kaum Einfluss auf Ver\u00e4nderungen<\/span><\/h2>\n<p class=\"normal\"><span lang=\"de\">Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen Hochsensible leicht aus dem Tritt bringen. Auch dies gilt f\u00fcr Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleicherma\u00dfen. Neue Lebensumst\u00e4nde f\u00fchren zu neuen Eindr\u00fccken, die Stress beg\u00fcnstigen. Es ist jedoch ein gro\u00dfer Unterschied, ob ich mich selbst zu einer Plan\u00e4nderung, einem Umzug, einem Schul- oder Jobwechsel oder einer sonstigen kleineren oder gr\u00f6\u00dferen Ver\u00e4nderung entschlossen habe oder ob jemand anderes die neue Richtung vorgibt und ich folgen muss. Kinder sind in diesen Situationen fremdbestimmt. Sie werden oft nicht nach ihrer Meinung gefragt und haben in Zeiten des Umbruchs nur selten ein echtes Mitspracherecht. Dies kann zu einem Gef\u00fchl der Machtlosigkeit f\u00fchren und stressbedingte Krisen ausl\u00f6sen.<\/span><\/p>\n<h2 class=\"normal\"><span lang=\"de\">Kinder werden schneller f\u00fcr sch\u00fcchtern gehalten<\/span><\/h2>\n<p class=\"normal\"><span lang=\"de\">Hochsensible verhalten sich in ungewohnten sozialen Situationen zun\u00e4chst distanziert, abwartend und vorsichtig. Dies entspricht der angeborenen Neigung hochsensibler Menschen, die Lage genau zu sondieren, bevor sie handeln. Eine anf\u00e4ngliche Zur\u00fcckhaltung im Umgang mit fremden Menschen wird bei Erwachsenen allgemein akzeptiert. Zeigen jedoch Kinder in sozialen Situationen ein \u00e4hnlich z\u00f6gerliches Verhalten, so werden sie schnell f\u00fcr sch\u00fcchtern gehalten, manchmal sogar f\u00fcr therapiebed\u00fcrftig aufgrund sozialer \u00c4ngste. \u201cSch\u00fcchternheit\u201d ist das Paradebeispiel f\u00fcr eine Verhaltensweise, die bei Kindern negativer bewertet wird als bei denen, die dem Jugendalter entwachsen sind. Warum d\u00fcrfen Erwachsene sein wie sie sind und Kinder nicht?<\/span><\/p>\n<h2 class=\"normal\"><span lang=\"de\">Hochsensible Erwachsene erfahren mehr Akzeptanz und Respekt<\/span><span lang=\"de\">\u00a0<\/span><\/h2>\n<p class=\"normal\"><span lang=\"de\">Einer der Vorteile des Erwachsenseins ist das Nachlassen des Konformit\u00e4tsdrucks. Was andere \u00fcber uns denken, wird uns mit den Jahren immer unwichtiger. Auch werden wir seltener offen bewertet, weil das unter Erwachsenen als \u00fcbergriffig und respektlos gilt. Kinder h\u00f6ren fast jeden Tag, sie seien \u201canstrengend\u201d, \u201clangsam\u201d, \u201cverheult\u201d, \u201cm\u00e4kelig\u201d oder \u201ckomisch\u201d, um nur einige Beispiele zu nennen. Uns Erwachsenen bleiben diese Zuschreibungen weitgehend erspart und wenn wir therapiert werden sollen, dann nur noch mit unserem Einverst\u00e4ndnis. Hochsensiblen Erwachsenen f\u00e4llt Selbstakzeptanz leichter, weil ihre Art zu sein, zu f\u00fchlen und wahrzunehmen als Ausdruck ihrer Pers\u00f6nlichkeit gesehen wird &#8211; und nicht wie bei Kindern als Erziehungsdefizit.<\/span><\/p>\n<h2 class=\"normal\"><span lang=\"de\">Und was brauchen hochsensible Kinder?<\/span><\/h2>\n<p class=\"normal\"><span lang=\"de\">Jeder Erwachsene sollte wissen, dass Kinder nicht st\u00e4rker werden, wenn man ihnen ihre Schw\u00e4chen vorh\u00e4lt. Gerade Kinder mit Besonderheiten brauchen Offenheit, Verst\u00e4ndnis und Akzeptanz. Wenn wir die St\u00e4rken eines Kindes erkennen und benennen, kann es leichter Selbstbewusstsein und Ich-St\u00e4rke entwickeln. Ein positiver Blick auf das Kind und sein Potenzial und eine ressourcenorientierte Haltung helfen ihm, sich selbst anzunehmen und eine gesunde Haltung zu seiner Hochsensibilit\u00e4t zu entwickeln. Die St\u00e4rken hochsensibler Erwachsener finden sich auch bei hochsensiblen Kindern: feine Sinne, Empathie, Genauigkeit, Gewissenhaftigkeit, Kreativit\u00e4t und die F\u00e4higkeit zum Reflektieren und Analysieren. All dies und mehr kann finden, wer seine Zeit nicht damit verbringt, seinem Gegen\u00fcber Schw\u00e4chen, Fehler und Therapiebedarf nachzuweisen. Denn Hochsensibilit\u00e4t ist keine Krankheit und auch keine psychische St\u00f6rung. Hochsensibilit\u00e4t bedarf auch keiner Behandlung. Es reicht vollkommen aus, hochsensible Menschen zu nehmen wie sie sind und den Kindern und Jugendlichen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich gut entwickeln und ihre St\u00e4rken nutzen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p class=\"normal\"><span lang=\"de\">Hochsensibilit\u00e4t bei Kindern und Jugendlichen ist Ihr Thema? Sie m\u00f6chten Menschen beraten, die hochsensible Kinder oder Jugendliche erziehen, begleiten, f\u00f6rdern oder therapieren und\/oder Ihr Wissen in Kursen oder Vortr\u00e4gen weitergeben? Vielleicht arbeiten Sie auch selbst mit hochsensiblen Kindern oder Jugendlichen und m\u00f6chten ein tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Hochsensibilit\u00e4t entwickeln. Dann empfehlen wir Ihnen eine Teilnahme an der <a href=\"\/fernstudium\/erziehungsberatung_kinder_jugendliche\/pruefung-berater-hochsensibilitaet-kinder-jugendliche.htm\">Fachkundepr\u00fcfung \u201cBerater\/in f\u00fcr Hochsensibilit\u00e4t bei Kindern und Jugendlichen\u201d<\/a>.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwierig, weinerlich, nicht belastbar: Wer im Kindesalter mit seinem Verhalten aus der Reihe tanzt oder auf andere Weise nicht dem Durchschnitt entspricht, gilt schnell als Problemfall. Hochsensibilit\u00e4t kennt kein Alter, doch w\u00e4hrend das Ph\u00e4nomen bei Erwachsenen \u00fcberwiegend positiv gesehen wird, schauen wir bei Kindern oft nur auf die Schw\u00e4chen. Woran liegt das? 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