{"id":2463,"date":"2017-03-23T17:07:59","date_gmt":"2017-03-23T16:07:59","guid":{"rendered":"http:\/\/iflw.de\/blog\/?p=2463"},"modified":"2017-03-23T17:07:59","modified_gmt":"2017-03-23T16:07:59","slug":"eltern-als-hilfslehrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iflw.de\/blog\/lernen\/eltern-als-hilfslehrer\/","title":{"rendered":"Kommentar: H\u00f6rt auf, Eltern als Hilfslehrer einzuspannen!"},"content":{"rendered":"<p>Als junge P\u00e4dagogikstudentin lernte ich in England Lynn kennen. Lynn hatte einige Jahre zuvor aus Unzufriedenheit mit dem staatlichen Schulsystem ihr Kind aus der Schule genommen, um es zu Hause selbst zu unterrichten. Was in Deutschland in dieser Form rechtlich undenkbar ist, ist in Gro\u00dfbritannien, \u00d6sterreich, der Schweiz und den meisten anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern m\u00f6glich. Dort gibt es keine Schulpflicht, sondern nur eine Unterrichtspflicht und die kann auch durch Unterricht am h\u00e4uslichen K\u00fcchentisch erf\u00fcllt werden. Von besonderem Interesse war f\u00fcr mich, dass Lynn \u00fcber kein Lehramtsstudium verf\u00fcgte und dennoch so gut unterrichtete, dass ihr Kind den ehemaligen Klassenkameraden weit voraus war. Schon bald folgten zwei in derselben Stra\u00dfe wohnende Familien Lynns Beispiel. Sie nahmen ihre Kinder aus dem staatlichen Schulsystem und entschieden sich f\u00fcr Home Schooling &#8211; bei Lynn.<\/p>\n<p>Seit eines unserer Kinder eine staatliche Grundschule besucht, wei\u00df ich, dass es auch in Deutschland Home Schooling gibt: am Nachmittag, Abend, Wochenende und in den Ferien. Wir Eltern betreuen die Wochenhausaufgaben und die Zwischendurchhausaufgaben. Wir lesen jeden Tag mindestens zehn Minuten mit unserem Kind und f\u00fchren den Lesepass. Wir \u00fcben die Schreibschrift, Kopfrechnen, die Uhr und das Einmaleins. Wir sind aufgefordert, jeden Tag in die Postmappe zu schauen und bekommen s\u00e4mtliche Schulunterlagen \u00fcber das Wochenende mit nach Hause, um auf dem aktuellen Stand des Schulstoffs zu sein und bei Bedarf gezielt nachhelfen zu k\u00f6nnen. Das ist der Alltag vieler M\u00fctter und V\u00e4ter, die sich f\u00fcr eine staatliche Schule entschieden haben. Ein anschauliches Beispiel ist das Bild in diesem Beitrag. Bitte anklicken!<\/p>\n<p>Die meisten Eltern wollen aber keine Lernbeziehung zu ihren Kindern haben, sondern vor allem Mama und Papa sein. Das ist ein berechtigter Wunsch und in vielen Familien nicht anders m\u00f6glich. Woher sollen Alleinerziehende neben dem Job, dem Haushalt und den sonstigen Verpflichtungen die Zeit und die Kraft f\u00fcr die schulische F\u00f6rderung ihrer Kinder nehmen? Wie sollen kaum deutsch sprechende Migranteneltern mit ihren Kindern lesen \u00fcben? Was ist mit bildungsfernen Eltern, die selbst keine Textaufgaben l\u00f6sen k\u00f6nnen und erst recht nicht wissen, wie man einem Kind dabei helfen kann? Wenn nur Eltern mit Zeit, Bildung und Geld ihre Kinder au\u00dferschulisch im Lesen, Schreiben, Rechnen und in vielen anderen schulrelevanten Bereichen zus\u00e4tzlich f\u00f6rdern, dann verst\u00e4rkt das soziale Unterschiede. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass mit h\u00e4uslichem Zusatzunterricht &#8222;alle auf einen Stand&#8220; kommen k\u00f6nnten. Das Gegenteil ist der Fall: Die bessergestellten Kinder bauen ihren Vorsprung aus und die schlechtergestellten Kinder werden weiter abgeh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Ein Staat, der die Schulpflicht gesetzlich verankert hat, muss daf\u00fcr sorgen, dass allen Kindern und Jugendlichen eine individuelle F\u00f6rderung im Rahmen des Schulunterrichts zuteil wird. Er darf sich nicht darauf verlassen, dass die Eltern zu Hilfslehrern werden und zu Hause noch vorhandene L\u00fccken stopfen. Wenn ein Sch\u00fcler F\u00f6rderbedarf hat, dann liegt die F\u00f6rderung nicht in der Verantwortung der Eltern, die zumeist weder ausgebildete Lehrer noch eine Lynn sind. Das ist dem Gesetz nach Aufgabe der Schule (z.B. Brandenburgisches Schulgesetz Abschnitt 2, \u00a7 3: &#8222;Es ist Aufgabe aller Schulen, jede Sch\u00fclerin und jeden Sch\u00fcler individuell zu f\u00f6rdern. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit besonderen Begabungen, sozial benachteiligte Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sowie Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit Behinderungen sind besonders zu f\u00f6rdern&#8220;). Als Mutter muss es mir selbst \u00fcberlassen bleiben, ob und was ich mit meinem Kind in unserer gemeinsamen Freizeit lerne. Ich m\u00f6chte nicht in die moralische Pflicht genommen werden. Und wie geht es Ihnen damit? Sind Sie auch St\u00fctzlehrerin wider Willen? \u00dcber ein Like, einen Kommentar und das Teilen dieses Beitrags w\u00fcrde ich mich freuen: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/iflwlerntherapie\/posts\/1260307594023354\">http:\/\/www.facebook.com\/iflwlerntherapie<\/a><\/p>\n<p>Christine Falk-Fr\u00fchbrodt, M.A. ist Erziehungswissenschaftlerin, Mutter und P\u00e4dagogische Leiterin des <a href=\"https:\/\/www.iflw.de\">IFLW &#8211; Institut f\u00fcr integrative Lerntherapie und Weiterbildung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als junge P\u00e4dagogikstudentin lernte ich in England Lynn kennen. Lynn hatte einige Jahre zuvor aus Unzufriedenheit mit dem staatlichen Schulsystem ihr Kind aus der Schule genommen, um es zu Hause selbst zu unterrichten. Was in Deutschland in dieser Form rechtlich undenkbar ist, ist in Gro\u00dfbritannien, \u00d6sterreich, der Schweiz und den meisten anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern m\u00f6glich. 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