{"id":1641,"date":"2016-04-20T15:55:44","date_gmt":"2016-04-20T13:55:44","guid":{"rendered":"http:\/\/iflw.de\/blog\/?p=1641"},"modified":"2018-06-27T07:57:29","modified_gmt":"2018-06-27T05:57:29","slug":"wenn-pruefungsangst-das-denken-blockiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iflw.de\/blog\/lerntherapie-lerntherapeut\/wenn-pruefungsangst-das-denken-blockiert\/","title":{"rendered":"Wenn Pr\u00fcfungsangst das Denken blockiert"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>Sch\u00e4tzungen zufolge leidet fast jeder vierte Sch\u00fcler an Pr\u00fcfungsangst. \u00a0Lesen Sie, was Eltern und Lehrer tun k\u00f6nnen, wenn Pr\u00fcfungsangst das Denken blockiert.\u00a0<\/em><\/p>\n<h2>Was ist Pr\u00fcfungsangst?<\/h2>\n<p>Unter Pr\u00fcfungsangst versteht man die Aufgeregtheit und Besorgtheit angesichts von Leistungsanforderungen, die selbstwertbedrohlich sein k\u00f6nnen. Nach wissenschaftlichen Sch\u00e4tzungen hat jeder sechste Sch\u00fcler bzw. jede vierte Sch\u00fclerin Pr\u00fcfungsangst. Schwei\u00dfausbr\u00fcche, zittrige H\u00e4nde und Fahrigkeit in Pr\u00fcfungssituationen sich bei vielen Menschen beobachtbar \u2013 beim F\u00fchrerscheinanw\u00e4rter und beim Schulkind. Aufgeregtheit vor einem Test ist in gewisser Hinsicht normal. Fast jeder kennt dieses Gef\u00fchl. Weil Pr\u00fcfungsangst weit verbreitet ist, untersch\u00e4tzen viele die negativen Auswirkungen: Betroffene versp\u00fcren einen Leidensdruck. Sie erzielen nicht die Leistungen, die ihnen bei freiem Kopf und gelassenem Nachdenken m\u00f6glich w\u00e4ren. Der gef\u00fcrchtete Blackout zieht eine schlechte Note nach sich. Diese l\u00e4sst die Anspannung vor der folgenden Pr\u00fcfungssituation wachsen. Ein Teufelskreis aus Angst und Misserfolg kann beginnen.<\/p>\n<h2>Wenn Angst gut ist<\/h2>\n<p>Wenn K\u00fcnstler vor ihrem Auftritt nerv\u00f6s auf und ab gehen und st\u00e4ndig auf die Uhr schauen, spricht man gemeinhin von Lampenfieber. Dieser Zustand gespannter Erwartung hat positive Auswirkungen: Der Mensch ist sich bewusst, dass etwas Wichtiges ansteht. Er ist wach und richtet seine Aufmerksamkeit auf das Kommende aus. Lampenfieber wird als hilfreich empfunden, wenn es nicht zu stark ist.<\/p>\n<h2>Wenn Angst schlecht ist<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend bei Lampenfieber die Konzentration gesch\u00e4rft ist und Wissen abgerufen werden kann, kommt es bei ausgewachsenen Pr\u00fcfungs- oder Rede\u00e4ngsten zu Handlungs- und Denkblockaden. Die Gedanken fehlen, der Atem stockt, man f\u00fchlt sich wie gel\u00e4hmt. Bei Schulkindern k\u00f6nnen sich Pr\u00fcfungs\u00e4ngste in einzelnen F\u00e4chern zu einer umfassenden Schulangst auswachsen. H\u00e4ufig beginnen die Probleme im Fach Mathematik: Das Kind hat Bruchrechnungen nicht verstanden und verhaut eine Arbeit. Passiert dies mehrfach hintereinander, kann es Furcht vor jeder Klassenarbeit entwickeln. Es meint, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Bei andauernd schlechten Noten kann sich gar ein Gef\u00fchl der &#8222;gelernten Hilflosigkeit&#8220; einstellen. Dann stellt der Sch\u00fcler seine Bem\u00fchungen ein, weil es &#8222;eh keinen Sinn hat&#8220;. Wenn Ihr Kind Pr\u00fcfungsangst versp\u00fcrt, hat es diesen Zustand gl\u00fccklicherweise noch nicht erreicht.<\/p>\n<h2>Wie Eltern helfen k\u00f6nnen<\/h2>\n<p>Die erste Frage sollte die nach den Ursachen der kindlichen Angst sein: Was genau \u00e4ngstigt das Kind? Pr\u00fcfungsangst kann sich auf drei Bereiche erstrecken:<\/p>\n<h3>1. Angst vor der Pr\u00fcfungssituation<\/h3>\n<p>Das Kind erlebt die kommende Klassenarbeit als etwas Bedrohliches. Es malt sich die Pr\u00fcfung in den schlimmsten Bildern aus. Diese negativen Vorstellungen besch\u00e4ftigen den Sch\u00fcler so stark, dass er sich nicht auf den Schulstoff konzentrieren kann. Statt zu lernen, lenkt er sich mit fernsehen, Gameboy spielen oder telefonieren ab. Manche Kinder geben vor, sich mit Freunden zum Lernen zu verabreden. Tats\u00e4chlich findet man sie aber auf dem Fu\u00dfballplatz.<\/p>\n<h3>2. Angst w\u00e4hrend der Pr\u00fcfung<\/h3>\n<p>Sp\u00fcrt ein Pr\u00fcfling k\u00f6rperliche Angstsymptome, wie Zittern oder Herzklopfen, sieht er sich durch diese Symptome in seiner Angst best\u00e4tigt (&#8222;Wenn mir jetzt schon der Schwei\u00df den R\u00fccken hinunterl\u00e4uft, muss es wirklich schlimm sein!&#8220;) Die Angst verst\u00e4rkt sozusagen die Angst. Es kann zum Blackout kommen. Das Kind bekommt dann gar nichts mehr auf das Papier.<\/p>\n<h3>3. Angst vor den Folgen einer schlechten Note<\/h3>\n<p>Wird ein Kind f\u00fcr schlechte Noten bestraft oder empfindet es die Entt\u00e4uschung der Eltern als Vorwurf, lastet Erwartungsdruck auf ihm. Dieser Druck f\u00fchrt in aller Regel nicht dazu, dass sich die verst\u00e4rkten Anstrengungen des Sch\u00fclers auszahlen. Im Gegenteil: Das Kind wird nerv\u00f6s und macht mehr Fehler.<\/p>\n<h2>M\u00f6gliche Ursachen von Pr\u00fcfungsangst<\/h2>\n<p>Die Ursachen von Angst vor Klassenarbeiten k\u00f6nnen vielf\u00e4ltig sein:<\/p>\n<ul>\n<li>mangelndes Selbstwertgef\u00fchl<\/li>\n<li>Misserfolgserwartungen<\/li>\n<li>\u00dcberforderung<\/li>\n<li>Angst vor den Reaktionen der Eltern<\/li>\n<li>Angst vor den Folgen einer schlechten Note<\/li>\n<li>ungeeignete Lernstrategien<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Ma\u00dfnahmen gegen Pr\u00fcfungsangst<\/h2>\n<h3>1. Positives Denken<\/h3>\n<p>Sch\u00fcler k\u00f6nnen lernen, negativen Einstellungen bewusst positive Vorstellungen entgegenzusetzen. Aus einem &#8222;Das schaffe ich nie!&#8220; wird ein &#8222;Ich kann das, ich schaffe das!&#8220; Selbstinstruktionen, also innere Anweisungen, die man sich selbst gibt, helfen Sch\u00fclern, ihre Aufmerksamkeit auf die Aufgabe zu lenken und st\u00f6rende Gedanken auszublenden. Nach dem Lesen der Aufgabenstellung k\u00f6nnte sich das Kind bewusst fragen: &#8222;Was wird hier verlangt? Habe ich \u00c4hnliches schon einmal gemacht?&#8220; Wichtig sind klare Ausl\u00f6sesituationen, d.h. das Kind muss wissen, wann es die formelhaften S\u00e4tze zu sich selbst sagt. So k\u00f6nnte es sich f\u00fcr den Fall des gedanklichen Abschweifens den Satz &#8222;Ich will mich auf die Aufgabe konzentrieren!&#8220; einpr\u00e4gen. Selbstbest\u00e4rkung in Form von Selbstinstruktionen schafft Zuversicht und Vertrauen in die eigenen Leistungen und f\u00f6rdert die Konzentrationsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<h3>2. Vorbild sein<\/h3>\n<p>Pr\u00fcfungsangst kann ansteckend sein; ein souver\u00e4ner Umgang mit Pr\u00fcfungssituationen aber auch. Darum sollte ein pr\u00fcfungs\u00e4ngstliches Kind neben einem niedrig pr\u00fcfungs\u00e4ngstlichen Sch\u00fcler sitzen. Neben den Klassenkameraden sind aber auch Eltern Vorbilder f\u00fcr ihr Kind. Wenn Sie vor Pr\u00fcfungen kein Auge zumachen und Ihre Besorgnis deutlich zeigen, wird Ihr Kind in seiner Pr\u00fcfungsangst best\u00e4rkt. Geben Sie vor Ihrem Kind ruhig zu, dass auch Sie vor Pr\u00fcfungen aufgeregt sind, aber teilen Sie gleichzeitig mit, wie Sie Ihre Aufgeregtheit in den Griff bekommen.<\/p>\n<h3>3. \u00dcberforderung vermeiden<\/h3>\n<p>Andauernd schlechte Noten k\u00f6nnen darauf hinweisen, dass ein Sch\u00fcler \u00fcberfordert ist. Dann sollten sie eine Klassenwiederholung oder einen Schulwechsel nicht ausschlie\u00dfen. Erwarten Sie zu viel von Ihrem Kind? \u00dcben Sie Druck aus? Zeigen Sie Interesse, machen Sie Hilfsangebote, aber erzeugen Sie nicht unn\u00f6tig Stress. Versuchen Sie, den schmalen Grat zwischen F\u00f6rdern und \u00dcberfordern zu finden.<\/p>\n<h3>4. Erwartungsdruck nehmen<\/h3>\n<p>Hohe Leistungserwartungen k\u00f6nnen motivieren und befl\u00fcgeln. Kann ein Kind diese Leistungen jedoch nicht erbringen, geht der Schuss nach hinten los: Es macht sich schon vor der Klassenarbeit Sorgen \u00fcber seine Note. Der Kopf ist nicht mehr frei f\u00fcr die Aufnahme und die Reproduktion von Wissen. Was viele Eltern nicht wissen: In Aussicht gestellte Belohnungen f\u00fcr gute Noten k\u00f6nnen Pr\u00fcfungsangst hervorrufen. F\u00fcr das Kind steht in diesem Fall viel auf dem Spiel: Jeder Punkt kann dar\u00fcber entscheiden, ob es ein begehrtes Spielzeug bekommt oder nicht. Eine kleine Aufmerksamkeit als Anerkennung f\u00fcr eine gute Leistung ist sicherlich nicht falsch. Dem Kind sollte aber nicht schon vor der Klassenarbeit bekannt sein, was es f\u00fcr eine gute Note gibt bzw. was es f\u00fcr eine schlechte Note nicht gibt.<\/p>\n<h3>5. Erwerb sinnvoller Lernstrategien<\/h3>\n<p>Unsicherheit produziert Angst: Hat ein Pr\u00fcfling Wissensl\u00fccken, muss er bef\u00fcrchten, dass der Pr\u00fcfer bohrt, wo kein \u00d6l ist. Daher sollten Sch\u00fcler stets gut vorbereitet in Klassenarbeiten gehen. Das Wissen um den eigenen Lerntyp und die dazu passenden Lerntechniken sind Voraussetzungen f\u00fcr eine optimale Vorbereitung. Dar\u00fcber hinaus sollten sich Sch\u00fcler Strategien f\u00fcr die Meisterung der Pr\u00fcfungsanforderungen zurechtlegen: die Fragestellungen gut durchlesen, mit den leichten Aufgaben beginnen, wenn etwas nicht auf Anhieb klar ist, \u00fcberlegen, ob etwas \u00c4hnliches um Unterricht behandelt wurde, notfalls nachfragen.<\/p>\n<h3>6. Pr\u00fcfungssituationen simulieren<\/h3>\n<p>Die anstehenden Aufgaben sollten vorher durchgespielt werden. Was k\u00f6nnte der Lehrer fragen? Was antworte ich? Erkennt der Sch\u00fcler, dass der Stoff \u00fcberschaubar ist, stellt sich Erleichterung ein, denn es kann nur abgefragt werden, was im Unterricht besprochen wurde. Wichtig ist zudem die schrittweise Gew\u00f6hnung an Pr\u00fcfungssituationen. Lassen Sie Ihr Kind zu Hause Diktate in einer pr\u00fcfungs\u00e4hnlichen Situation schreiben, also ohne Hilfsmittel und unter Zeitdruck. Sie k\u00f6nnen auch Klassenkameraden an den Probetests teilnehmen lassen. Wichtig: Fehler sind Informationen dar\u00fcber, was noch ge\u00fcbt werden muss und nicht Anzeichen von Leistungsversagen. Ihr Kind soll mit einem positiven Gef\u00fchl aus der simulierten Pr\u00fcfungssituation herausgehen: &#8222;Ich wei\u00df jetzt, was ich mir noch einmal anschauen muss&#8220; und nicht &#8222;Ich kann \u00fcberhaupt nichts und bleibe am Pr\u00fcfungstag am besten gleich zu Hause&#8220;.<\/p>\n<h3>7. Erlernen von Entspannungstechniken<\/h3>\n<p>&#8222;Gesunder Geist im gesunden K\u00f6rper&#8220; &#8211; Man lernt besser und reagiert gelassener, wenn man sich k\u00f6rperlich wohl f\u00fchlt. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga oder kinesiologische \u00dcbungen sind geeignete Methoden f\u00fcr die Zeit vor, w\u00e4hrend und nach einer Pr\u00fcfung. Damit k\u00f6nnen die k\u00f6rperlichen Symptome von Angst reduziert und die Konzentrationsf\u00e4higkeit gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Sie interessieren sich f\u00fcr die F\u00f6rderung von Kindern und Jugendlichen mit Lernschw\u00e4chen? Dann empfehlen wir Ihnen unser <a href=\"https:\/\/www.iflw.de\/lerntherapie\/ausbildung\/lerntherapeut-ausbildung-weiterbildung-lerntherapie.htm\">Fernstudium \u201cIntegrative Lerntherapie in Theorie und Praxis\u201d<\/a>. Lernen sie mit 18 Studienbriefen alles Wesentliche \u00fcber Lerntherapie, erreichen Sie die <a href=\"https:\/\/www.iflw.de\/dokumente\/Lernziele_Fernstudium_Lerntherapie.pdf\">72 Lernziele<\/a>\u00a0und werden Sie Lerntherapeut\/in!<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00e4tzungen zufolge leidet fast jeder vierte Sch\u00fcler an Pr\u00fcfungsangst. \u00a0Lesen Sie, was Eltern und Lehrer tun k\u00f6nnen, wenn Pr\u00fcfungsangst das Denken blockiert.\u00a0 Was ist Pr\u00fcfungsangst? Unter Pr\u00fcfungsangst versteht man die Aufgeregtheit und Besorgtheit angesichts von Leistungsanforderungen, die selbstwertbedrohlich sein k\u00f6nnen. 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