{"id":1621,"date":"2016-02-22T08:00:05","date_gmt":"2016-02-22T07:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/iflw.de\/blog\/?p=1621"},"modified":"2018-06-27T07:56:32","modified_gmt":"2018-06-27T05:56:32","slug":"keine-lust-was-tun-wenn-schueler-schlecht-motiviert-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iflw.de\/blog\/lerntherapie-lerntherapeut\/keine-lust-was-tun-wenn-schueler-schlecht-motiviert-sind\/","title":{"rendered":"Keine Lust! Was tun, wenn Sch\u00fcler schlecht motiviert sind?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>Wie k\u00f6nnen Lerntherapeuten Kinder und Jugendliche\u00a0zur Mitarbeit und zum Lernen motivieren?<\/em><\/p>\n<h2>Sch\u00fcler, die keine Lust haben<\/h2>\n<div class=\"Section1\">\n<p>Wer lerntherapeutisch oder unterrichtend t\u00e4tig ist, begegnet zuweilen Kindern oder Jugendlichen, die nicht aus eigenem Antrieb kommen, sondern von den Eltern geschickt werden. Diese Klienten zeigen ihren Unmut mitunter recht deutlich: Sie beklagen sich, schweifen immer wieder vom Thema ab, sitzen betont l\u00e4ssig auf dem Stuhl, verweigern die Mitarbeit oder lassen Arbeitsbl\u00e4tter, B\u00fccher und sonstige Arbeitsmittel zu Hause liegen, die zur Durchf\u00fchrung der Lerntherapie bzw. des Unterrichts vonn\u00f6ten w\u00e4ren. Wer eine gut frequentierte Praxis hat, kann sich von lustlosen Sch\u00fclern trennen, ohne finanzielle Einbu\u00dfen f\u00fcrchten zu m\u00fcssen. Er bzw. sie vergibt den Platz einfach neu. Was ist aber, wenn wir einen Sch\u00fcler nicht einfach aufgeben m\u00f6chten? Wie k\u00f6nnen wir Kinder und Jugendliche zur Mitarbeit und zum Lernen motivieren?<\/p>\n<h2>Voraussetzungen f\u00fcr Motivation<\/h2>\n<p>Im Idealfall ist eine interessante Lerntherapie bzw. ein mitrei\u00dfender Unterricht motivierend genug. Das Kind hat Spa\u00df an der Sache und lernt aus Freude am Tun. Ber\u00fccksichtigen Sie stets die Interessen des Kindes. Vorschul- und Grundschulkinder haben eine Vorliebe f\u00fcr Tiere, lustige Reime und Bewegung. Es gibt eine Reihe von guten B\u00fcchern, denen sie wertvolle Anregungen entnehmen k\u00f6nnen, z.B. &#8222;ABC f\u00fcr die Sinne&#8220; von Dr. Nicole Goldstein oder &#8222;Rhythmus, Klang und Reim&#8220; von Dr. Volker Friebel. Geben Sie dem Kind Gelegenheit, Lerninhalte spielerisch auszuprobieren, kreativ zu werden und an konkreten Projekten zu arbeiten. Achten Sie auf h\u00e4ufige Methodenwechsel. Arbeitsbl\u00e4tter k\u00f6nnen auf Dauer ziemlich langweilig sein, auch wenn sie aus wissenschaftlich evaluierten F\u00f6rderprogrammen stammen. Eine weitere Voraussetzung f\u00fcr Lernmotivation ist eine anregende Lernumgebung: eine angenehme Raumtemperatur, Tageslicht, frische Luft und ausreichend Platz.<\/p>\n<h2>Nah- und Fernziele<\/h2>\n<p>Wenn Eltern an die Schule denken, kommen ihnen die fernen Ziele in den Sinn: Bleibt mein Kind dieses Jahr sitzen? Wird es den Realschulabschluss schaffen? Die Kinder selbst leben im Hier und Jetzt. Appelle an die Vernunft (&#8222;Es geht um deine Zukunft!&#8220;) n\u00fctzen wenig. Hat ein Kind keine Lust auf Schulisches, kann man es auch nicht mit der Aussicht auf ein neues Fahrrad am Ende des Schuljahres locken. F\u00fcr das Kind ist das zu weit in der Ferne und damit wenig greifbar. Besser ist eine Orientierung an Nahzielen: das Aufsagen eines Gedichts am n\u00e4chsten Schultag, das Diktat in drei Tagen oder die Klassenarbeit in einer Woche. Auch erwachsene Lerner profitieren von einem Unterteilen gro\u00dfer Projekte in kleine, \u00fcberschaubare, leichter zu bew\u00e4ltigende Teilschritte. So stehen wir nicht vor einem scheinbar un\u00fcberwindbaren Berg von Stoff, dessen Anblick uns davon abhalten kann, \u00fcberhaupt erst mit der Arbeit zu beginnen.<\/p>\n<h3>Ursachen f\u00fcr mangelnde Motivation<\/h3>\n<p>Es gibt Sch\u00fcler, die nicht ausreichend aus sich heraus (&#8222;intrinsisch&#8220;) motiviert sind. Die Beziehung zum Lernstoff fehlt und damit auch das Bed\u00fcrfnis, sich mit diesem Lerninhalt auseinanderzusetzen. H\u00e4ufig handelt es sich um Kinder oder Jugendliche, die noch nicht die Erfahrung machen konnten, dass sich Anstrengungen auszahlen. Zu oft haben sie Misserfolge nach vielen Stunden des Lernens hinnehmen m\u00fcssen. Denken Sie nur einmal an lese-rechtschreibschwache Kinder, die den Lehrerkommentar &#8222;Warum hast du nicht ge\u00fcbt?&#8220; unter Diktaten lesen, auf die sie sich intensiv vorbereitet haben. Erleben Menschen zu oft, dass Ereignisse nicht beeinflussbar sind, k\u00f6nnen sie in einen Zustand der &#8222;erlernten Hilflosigkeit&#8220; (Seligman) geraten. Sie sehen keine Verbindung mehr zwischen ihren Verhaltensweisen und den Ergebnissen. Egal was sie tun, am Ende kommt doch etwas Unerfreuliches heraus. Passiert das Sch\u00fclern immer wieder, stellen sie ihre Bem\u00fchungen allm\u00e4hlich ein. Wie k\u00f6nnen wir diese Entwicklung abwenden?<\/p>\n<h3>Anstrengungen m\u00fcssen sich lohnen<\/h3>\n<p>Nichts befl\u00fcgelt mehr als Erfolg. Das gilt insbesondere f\u00fcr Kinder und Jugendliche, die noch nicht oft erfolgreich gewesen sind. Bei Sch\u00fclern mit gro\u00dfen Wissensl\u00fccken sollte die Messlatte gerade so hoch geh\u00e4ngt werden, dass Anfangserfolge m\u00f6glich sind und dass der Sch\u00fcler dennoch seine Leistung als Leistung anerkennt. Loben Sie ein Kind nicht f\u00fcr Banalit\u00e4ten. Es k\u00f6nnte glauben, Sie hielten es f\u00fcr dumm. Eine mangelhafte intrinsische Motivation kann durch extrinsische Motivation ausgeglichen werden. Soll hei\u00dfen: Einem Lerner k\u00f6nnen Englischvokabeln gleichg\u00fcltig sind. Kann er damit jedoch in den Genuss sozialer oder materieller Verst\u00e4rker kommen, sieht die Sache ganz anders aus: Aussicht auf lobende Worte, realistische Chancen auf eine gute Note oder eine kleine Belohnung in naher Zukunft k\u00f6nnen Sch\u00fclern den n\u00f6tigen Anschub geben. Wenn das Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis stimmt, kommt Motivation nicht selten von ganz allein.<\/p>\n<h2>Motivationsf\u00f6rderung bei Kindern<\/h2>\n<p>Wenn Sie mit lustlosen Grundsch\u00fclern arbeiten, sollten Sie es mit einem Punkteplan versuchen. Dabei erh\u00e4lt das Kind f\u00fcr einzelne Arbeitsschritte Aufkleber oder Kn\u00f6pfe (&#8222;Tokens&#8220;), die es sp\u00e4ter gegen einen kleinen Preis eintauschen kann. Wichtig: Das Kind muss im Voraus wissen, wie viele Tokens es f\u00fcr welche Handlungen erh\u00e4lt und welche Preise es f\u00fcr welche Anzahl von Tokens gibt. Manche Lerntherapeutinnen haben in ihrer Praxis eine Kiste zu stehen, in die Kinder zu Beginn der Lerntherapie schauen k\u00f6nnen. In der Kiste liegen kleine Geschenke mit &#8222;Preisschildern&#8220;, auf denen die Anzahl der daf\u00fcr n\u00f6tigen Tokens stehen. So kann sich das Kind genau ausrechnen, wann es f\u00fcr seinen Einsatz belohnt wird. Manchen Kindern macht das Sammeln und Horten von Tokens mehr Spa\u00df als das sp\u00e4tere Eintauschen. Daran sieht man, wie wichtig kurzfristige Verst\u00e4rker und h\u00e4ufige positive R\u00fcckmeldungen gerade erfolgsentw\u00f6hnten Kindern sind. In vielen F\u00e4llen entsteht aus extrinsischer Motivation intrinsische Motivation: Das Kind erlebt Erfolge und lernt zunehmend f\u00fcr sich und weniger f\u00fcr die Belohnung.<\/p>\n<h2>Motivationsf\u00f6rderung bei Jugendlichen<\/h2>\n<p>Obersch\u00fcler kann man nicht mit Punktepl\u00e4nen locken, es sei denn, sie kennen Systeme dieser Art bereits und k\u00f6nnen sich darauf einlassen. Die besten Motivatoren f\u00fcr \u00e4ltere Sch\u00fcler sind echte Chancen auf bessere Noten, einen h\u00f6heren Schulabschluss und Perspektiven nach der Schule. Dann sind sie auch bereit, an sich zu arbeiten. Es kann sinnvoll sein, gemeinsam mit dem Jugendlichen ein Berufsinformationszentrum aufzusuchen oder ihn bei der Suche nach einem Praktikumsplatz zu unterst\u00fctzen. Je konkreter die Zukunftspl\u00e4ne werden und je klarer der Weg zum Ziel ist, desto eher wird der Jugendliche die ersten Schritte in Richtung dieses Ziels gehen. H\u00e4ufig brauchen Jugendliche weniger einer Lerntherapeuten, sondern mehr einen Lerntrainer oder Coach, der die Potenziale des Jugendlichen erkennt und f\u00f6rdert und ihm beizeiten einen symbolischen Tritt gibt.<\/p>\n<h2>Ankn\u00fcpfen an Vorhandenes<\/h2>\n<p>Wir handeln in erster Linie aus eigenen Bed\u00fcrfnissen heraus, nicht um anderen einen Gefallen zu tun. Wer jemanden motivieren m\u00f6chte, muss die Bed\u00fcrfnisse, Gef\u00fchle und Interessen dieses Menschen aufgreifen. Jedes Kind und jeder Jugendliche ist zu irgendetwas motiviert. H\u00e4ufig ist es m\u00f6glich, auf diesen Spezialinteressen und Aktivit\u00e4ten aufzubauen. Stellen Sie sich eine verliebte Dreizehnj\u00e4hrige vor, die sich nicht sonderlich f\u00fcr Rechtschreibung interessiert. In dieser Situation wird sie die Motivation zum Schreiben eines fehlerlosen Briefes aufbringen k\u00f6nnen. Oder denken Sie an Sch\u00fcler, die Mathematik &#8222;nicht brauchen&#8220;, weil sie fest davon \u00fcberzeugt sind, eines Tages Profifu\u00dfballspieler zu sein. Sicherlich werden sie ihre Gehaltsabrechnung auf Richtigkeit \u00fcberpr\u00fcfen wollen? Es kann sich lohnen, Sch\u00fclern den pers\u00f6nlichen Nutzen einzelner F\u00e4cher oder Themen zu erkl\u00e4ren, wenn sie ihn selbst nicht sehen.<\/p>\n<h2>Und wenn das alles nichts n\u00fctzt?<\/h2>\n<p>Manchen Sch\u00fclern scheint alles egal zu sein. Da kann die Lerntherapie interessant, der Punkteplan attraktiv und die Lerntherapeutin ermutigend sein: Das Kind kommt nicht aus seiner oppositionellen oder apathischen Haltung heraus. Mitunter stecken Kinder soweit in der Rolle des Lernverweigerers, dass psychotherapeutische Hilfe erforderlich ist. Manche Kinder haben Depressionen oder andere behandlungsbed\u00fcrftige Erkrankungen. Geben Sie das Kind in diesem Fall an eine Kinder- und Jugendpsychiaterin oder eine Psychotherapeutin ab, wenn Sie selbst nicht medizinisch bzw. psychotherapeutisch ausgebildet sind. Psychische Beeintr\u00e4chtigungen bed\u00fcrfen zun\u00e4chst einer medizinischen und\/oder psychotherapeutischen Behandlung, bevor Lerntherapie greifen kann.<\/p>\n<h2 class=\"normal\">Mehr zum Thema \u201eLernmotivation\u201c<\/h2>\n<p class=\"normal\">Lesen Sie auch meine\u00a0Artikel:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"normal\"><a href=\"\/blog\/lerntherapie-lerntherapeut\/lernmotivation-foerdern-selbstwertgefuehl-in-der-lerntherapie\/\">Lernmotivation f\u00f6rdern: Selbstwertgef\u00fchl in der Lerntherapie<\/a><\/li>\n<li class=\"normal\"><a href=\"http:\/\/www.focus.de\/familie\/experten\/lernschwaeche-wie-lustlose-schueler-motiviert-werden-koennen_id_5811796.html\">Wie lustlose Sch\u00fcler motiviert werden k\u00f6nnen (FOCUS Online)<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie k\u00f6nnen Lerntherapeuten Kinder und Jugendliche\u00a0zur Mitarbeit und zum Lernen motivieren? 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