{"id":1288,"date":"2015-08-03T13:02:25","date_gmt":"2015-08-03T11:02:25","guid":{"rendered":"http:\/\/iflw.de\/blog\/?p=1288"},"modified":"2020-04-23T10:49:02","modified_gmt":"2020-04-23T08:49:02","slug":"hochbegabte-minderleister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iflw.de\/blog\/hochbegabung\/hochbegabte-minderleister\/","title":{"rendered":"Hochbegabte Minderleister"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>Lesen Sie in diesem Beitrag, warum auch schlaue Kinder schlechte Sch\u00fcler und damit &#8222;hochbegabte Minderleister&#8220; sein k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<h2>Was ist Hochbegabung?<\/h2>\n<p>Lange Zeit wurden besondere Begabungen als ein Geschenk des Himmels betrachtet. Das Zusammenspiel von Vererbung und Umwelt war noch nicht bekannt; eine einheitliche Definition in weiter Ferne. Heute gilt als hochbegabt, wer in einem Intelligenztest (z.B. dem HAWIK) einen Wert erreicht hat, der \u00fcber 130 liegt. Dieses Ergebnis wird von zwei bis drei Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung erzielt. Der IQ-Wert bildet F\u00e4higkeiten in bestimmten Bereichen ab, etwa logisches Denken oder r\u00e4umliches Vorstellungsverm\u00f6gen. Kreativit\u00e4t und soziale Intelligenz sind Talente, die mit Intelligenztests nicht erfasst werden k\u00f6nnen und dennoch ebenfalls entscheidend sind f\u00fcr die intellektuelle Entwicklung eines Menschen. Soll die Begabung eines Kindes eingesch\u00e4tzt werden, wird daher neben dem IQ-Wert das Eltern- und Lehrerurteil ber\u00fccksichtigt. Merkmale hochbegabter Kinder sind:<\/p>\n<ul>\n<li>fr\u00fches Sprechen<\/li>\n<li>gro\u00dfer Wortschatz<\/li>\n<li>genaue Beobachtungsgabe<\/li>\n<li>schnelle Auffassungsgabe<\/li>\n<li>\u00fcberdurchschnittliches Konzentrationsverm\u00f6gen<\/li>\n<li>Langeweile bei Routineaufgaben<\/li>\n<li>gutes Erinnerungsverm\u00f6gen<\/li>\n<li>schnelles Erkennen von Zusammenh\u00e4ngen zwischen Ursache und Wirkung<\/li>\n<li>autodidaktisches Lernen<\/li>\n<li>ausgepr\u00e4gte Wissbegierde<\/li>\n<li>geringes Schlafbed\u00fcrfnis<\/li>\n<li>mitunter Spezialinteressen<\/li>\n<li>Lesebegeisterung<\/li>\n<li>eigene Ansichten von Anfang an<\/li>\n<li>Streben nach Perfektion<\/li>\n<li>kritisches Hinterfragen von Meinungen und Autorit\u00e4ten<\/li>\n<li>starkes Verantwortungsgef\u00fchl<\/li>\n<li>Kreativit\u00e4t, Fantasie<\/li>\n<li>Sensibilit\u00e4t<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei hochbegabten Kindern kommt es h\u00e4ufig zu einer asynchronen Entwicklung, d.h. die intellektuelle Entwicklung verl\u00e4uft schneller als die emotionale und die k\u00f6rperliche. So kann ein F\u00fcnfj\u00e4hriger die intellektuellen F\u00e4higkeiten eines Neunj\u00e4hrigen haben, aber im emotionalen Erleben und im sozialen Verhalten einem Sechsj\u00e4hrigen oder gar einem Vierj\u00e4hrigen entsprechen. Problematisch wird es, wenn F\u00fcnfj\u00e4hrige Kriegsberichte und andere schwere Kost im Internet oder in der Zeitung lesen. Ohne \u00fcber die n\u00f6tige emotionale Reife zu verf\u00fcgen, haben diese Kinder leichten Zugang zur nicht immer sch\u00f6nen Welt der Erwachsenen. Das kann \u00c4ngste ausl\u00f6sen. Zudem ist vielen Erwachsenen nicht bewusst ist, dass schlaue und mitunter sehr reif klingende Kinder trotz allem Kinder sind. Ein IQ von 130 und mehr sch\u00fctzt nicht vor Wutanf\u00e4llen, Geheul und anderen v\u00f6llig normalen kindlichen Verhaltensweisen.<\/p>\n<h2>Schwierigkeiten Hochbegabter in der Schule<\/h2>\n<p>Hochbegabte haben das gr\u00f6\u00dfte Potenzial f\u00fcr Lernerfolg, doch Begabungen im intellektuellen Bereich dr\u00fccken sich nicht immer in guten schulischen Leistungen aus. Dauerhafte geistige Unterforderung f\u00fchrt zu Langeweile, die fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in Verhaltensauff\u00e4lligkeiten und St\u00f6rverhalten umschlagen kann. Die wenigsten Lehrkr\u00e4fte w\u00fcrden bei verhaltensauff\u00e4lligen Kindern eine unentdeckte Hochbegabung vermuten. Zu sehr werden Intelligenz und Begabung in Verbindung gebracht mit Angepasstheit, Motivation und der F\u00e4higkeit, Schwierigkeiten wie ein Erwachsener erkennen, artikulieren und l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Kinder, die trotz nachgewiesener hoher Intelligenz im schulischen Kontext versagen, stellen ihr soziales Umfeld vor R\u00e4tsel: Wie ist es m\u00f6glich, dass begabte Kinder und Jugendliche weit unter ihren M\u00f6glichkeiten bleiben?<\/p>\n<h2>Was ist Minderleistung?<\/h2>\n<p>Minderleistung (&#8222;Underachievement&#8220;) liegt vor, wenn ein Mensch trotz guter Intelligenz schlechte Leistungen zeigt. Etwa 15 Prozent der intellektuell Hochbegabten sind Minderleister (&#8222;Underachiever&#8220;), d.h. sie erbringen erwartungswidrige schulische Minderleistungen. Sicherlich w\u00e4re es vermessen, jede Form von Schulversagen f\u00fcr ein Anzeichen herausragender Intelligenz zu halten, doch bleibt festzuhalten, dass das eine das andere nicht ausschlie\u00dfen muss. Zu den Merkmalen hochbegabter Minderleister z\u00e4hlen eine negative Selbsteinsch\u00e4tzung, d.h. wenig Zutrauen in die eigene Leistungsf\u00e4higkeit, ein unsystematisches und damit wenig effizientes Arbeits- und Lernverhalten, schlechte Motivation infolge vieler Wiederholungen und \u00dcbungen, deren Sinn dem Kind nicht offensichtlich ist, wenig Anstrengungsbereitschaft und Unterrichtsbeteiligung infolge von Langeweile, geringes Durchhalteverm\u00f6gen, mangelnde Selbstkontrolle, Schulunlust, ausbleibende Erfolgserlebnisse und eine daraus resultierende depressive Verstimmung.<\/p>\n<h2>Ursachen und F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten<\/h2>\n<p>Versagt ein nachweislich intelligentes Kind im schulischen Kontext, m\u00fcssen zun\u00e4chst die Bedingungen und m\u00f6glichen Ursachen dieser Entwicklung erkannt werden. Welchen Anteil haben das Kind, die Schule, die Eltern und ggf. das weitere soziale Umfeld? Ursachen auf Seiten des Kindes k\u00f6nnen auf der k\u00f6rperlichen Ebene liegen (z.B. visuelle und\/oder auditive Wahrnehmungsst\u00f6rungen). Diese bed\u00fcrfen einer \u00e4rztlichen Abkl\u00e4rung. Andere m\u00f6gliche Ursachen betreffen den psychischen Bereich. Manche Kinder bzw. Jugendliche wollen nur in den sie interessierenden Bereichen Leistung erbringen, verheimlichen Kenntnisse und F\u00e4higkeiten, um nicht als Streber zu gelten oder sind aufgrund anhaltender schulischer Misserfolge in einem Zustand der &#8222;erlernten Hilflosigkeit&#8220; (vgl. Seligman). Das ist das Gef\u00fchl, das sich einstellt, wenn ein Mensch wiederholt erlebt, dass er eine Situation nicht beeinflussen kann, gleichg\u00fcltig wie sehr er sich anstrengt. Mit der Zeit stellt dieser Mensch seine Bem\u00fchungen ein, wird depressiv und verzweifelt an sich und der Welt. In diesem Falle k\u00f6nnen eine Psychotherapie und die Vermittlung passender Lern- und Arbeitstechniken helfen.<\/p>\n<p>Ursachen auf Seiten der Schule k\u00f6nnen ebenfalls vielf\u00e4ltig sein. So stellt sich zun\u00e4chst die Frage, ob die Schulform, die damit verbundenen p\u00e4dagogischen Konzepte und die Pers\u00f6nlichkeit der Lehrkraft zum Wesen des Kindes passen. Manche Lehrer k\u00f6nnen schlecht mit ihnen geistig \u00fcberlegenen Kindern umgehen; andere stellen zu niedrige Anforderungen. Gut ist eine Lehrkraft, die die Sch\u00fcler individuell fordert und f\u00f6rdert, um jedem Kind zur optimalen Entfaltung seiner Pers\u00f6nlichkeit zu verhelfen. Dies sollte in jeder Schulform, auf jeder Stufe und in jedem Fach m\u00f6glich sein. Bew\u00e4hrte F\u00f6rderkonzepte sind ein beschleunigtes Lernen (&#8222;Akzeleration&#8220;), erm\u00f6glicht durch eine vorzeitige Einschulung, das \u00dcberspringen von Klassen und Teilunterricht in h\u00f6heren Klassen sowie ein vertieftes Lernen (&#8222;Enrichment&#8220;), erm\u00f6glicht durch die Schaffung zus\u00e4tzlicher, intellektuell herausfordernder Lernangebote (z.B. Arbeitsgemeinschaften, Wettbewerbe und Sch\u00fcleraustauschprogramme).<\/p>\n<p>Auch die Eltern und andere wichtige Bezugspersonen des Kindes haben Einflussm\u00f6glichkeiten. So kann eine niedrige Leistungserwartung der Eltern zu einer niedrigen Motivation auf Seiten des Kindes f\u00fchren; zu viel Druck hingegen zu einer Verweigerungshaltung. Anforderungen und Erwartungen m\u00fcssen daher m\u00f6glichst realistisch sein, d.h. nicht zu hoch und nicht zu niedrig. Eltern sollten ihrem hochbegabten Kind soweit wie n\u00f6tig dabei helfen, seine Spezialinteressen zu verwirklichen und daneben neue Hobbys in gemeinsamen Unternehmungen f\u00fcr sich zu entdecken. Erfolge in isolierten Bereichen k\u00f6nnen sich positiv auf den gesamten Leistungsbereich auswirken, weil das Kompetenzerleben und damit das Selbstwertgef\u00fchl des Kindes gest\u00e4rkt wird. Aufrichtiges und wohldosiertes Lob f\u00fcr Leistungen und Bem\u00fchungen kann befl\u00fcgeln. G\u00fcnstig ist auch die F\u00f6rderung eines selbstbewussten und dennoch nicht \u00fcberheblichen Umgangs mit F\u00e4higkeiten und Begabungen. Das Kind sollte anerkennen, dass <i>jeder<\/i> Mensch St\u00e4rken, Talente und Schw\u00e4chen hat. Das schafft es am ehesten, wenn ihm seine Eltern eine tolerante und wertsch\u00e4tzende Haltung vorleben.<\/p>\n<h3>Weiterbildungen zu den Themen Hochbegabung und Lerntherapie<\/h3>\n<p>Sie m\u00f6chten mehr \u00fcber Hochbegabung und Lerntherapie erfahren, um hochbegabte Kinder besser\u00a0erkennen und f\u00f6rdern zu k\u00f6nnen? Dann empfehlen wir Ihnen den <a href=\"https:\/\/www.iflw.de\/fernstudium\/hochbegabung\/fernlehrgang_hochbegabung_fortbildung_weiterbildung.htm\">Fernstudiengang\u00a0&#8222;Hochbegabung in Theorie und Praxis&#8220;<\/a> und das <a href=\"https:\/\/www.iflw.de\/lerntherapie\/ausbildung\/lerntherapeut-ausbildung-weiterbildung-lerntherapie.htm\">Fernstudium &#8222;Integrative Lerntherapie in Theorie und Praxis&#8220;<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesen Sie in diesem Beitrag, warum auch schlaue Kinder schlechte Sch\u00fcler und damit &#8222;hochbegabte Minderleister&#8220; sein k\u00f6nnen. Was ist Hochbegabung? 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